Wertschätzung, Transparenz und Teamgeist
Die Neue Oberschule Gröpelingen setzt auf Wertschätzung, Willkommenskultur und Transparenz. Wertschätzung und Willkommenskultur zeigen sich sowohl im Umgang mit Schülerinnen und Schülern während des Unterrichtsalltags als auch ganz unmittelbar beim Betreten der Schule, wenn das Sekretariat die Besucher mittels dreisprachiger Hinweisschilder einlädt. Die zum Marktplatz großflächig verglasten Räume schaffen durch ihre Möglichkeit der Durchblicke Vertrauen und Transparenz. Das Lernen findet nicht hinter verschlossenen Türen statt. Jeder kann zu jedem Zeitpunkt sehen, wie an der Schule gelernt wird. Die Schülerschaft eines Jahrgangs erfährt sich auch räumlich als Einheit – als Lerngemeinschaft, als Team. Auf Seiten der Lehrenden findet der Teamgeist seine Entsprechung in einem multiprofessionellen PädagogInnenteam, bestehend aus Fachlehrpersonen, Klassenleitungen, SozialpädagogInnen, SonderpädagogInnen, SprachberaterInnen und einem Migrationsbeauftragten. Diese unterschiedlichen Kompetenzen kommen nur in einer Teamschule optimal zum Tragen und fördern somit den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten und Lernvoraussetzungen.
Umgang mit Unterschieden – Vielfalt braucht Vielfalt
Vielfalt braucht Vielfalt, d.h. eine Schülerschaft mit vielfältigen Lernvoraussetzungen hat vielfältige Bedarfe, braucht vielfältige Herausforderungen und Lerngelegenheiten, ihr Leistungs- und Persönlichkeitspotenzial zu entfalten. Diese Vielfalt an Lernmöglichkeiten bietet die Neue Oberschule Gröpelingen z.B. durch drei verschiedene Unterrichtsstrukturen: den Wochenarbeitsplan, den Projektunterricht und den klassischen Fachunterricht. Ergänzende individuelle Lernangebote und Lernumgebungen gehen zusätzlich auf die besonderen Bedarfe einer inklusiven Schule ein. Die Ganztagsangebote schließlich bieten den SuS weitere Möglichkeiten ihre Stärken und Interessen weiterzuentwickeln. Aus der Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen erwachsen weitere Lerngelegenheiten. Kinder aus neu zugewanderten Familien, die Deutsch als Zweitsprache erst lernen müssen, nehmen im Sinne einer inklusiven Schule zum überwiegenden Teil des Tages von Anfang an am Regelunterricht einer Klasse teil. Somit fühlen sie sich vom ersten Tag an angenommen und integriert.
Regeln und Rituale – Hausschuhschule ohne Pausengong
Für das erfolgreiche Zusammenleben in Gemeinschaften sind verbindliche gemeinsame Regeln und Rituale eine wichtige Gelingensbedingung. Die Rituale an der Neuen Oberschule Gröpelingen beziehen sich auf verschiedenste Bereiche in der Schule, den Ablauf eines Schuljahres, einer Schulwoche und eines Schultages, die Gestaltung des Unterrichts sowie das soziale Lernen. Die Lernräume werden in Hausschuhen betreten. Dies erhöht für die Schülerinnen und Schüler den „Wohlfühlfaktor“, da die Lernumgebung sauber bleibt und unnötige Geräusche entfallen. Ein Beitrag zur Entschleunigung des Schultags ist der Verzicht auf den Schulgong. In jedem Unterrichtsraum befindet sich eine Uhr, an der man sich orientieren kann. So wird der Unterricht von der Lerngemeinschaft beendet und nicht durch einen Gong.
Demokratie in der Schule – Schüler und Eltern in Verantwortung
Demokratie wird gelebt, wenn man seine Interessen einbringen kann. Für die SuS gibt es Möglichkeiten dazu in zahlreichen schulischen Gruppen und Gremien. Beispielhaft zu nennen sind der wöchentlich stattfindende Klassenrat, das wöchentlich tagende Gremium der Schülervertretung und der Mensarat. Für die Eltern lädt das regelmäßig stattfindende Elterncafé, der Elternbeirat und der Elternverein zur Beteiligung am Schulleben ein. Darüber hinaus haben Eltern die Möglichkeit eigene Ganztagsangebote anzubieten.
Lernkultur und veränderte Lehrerrolle – Förderung von Selbstständigkeit und eigenverantwortlichem Lernen
In einer Schule mit Kindern unterschiedlichster Lernvoraussetzungen, also in einer inklusiven Schule, ist individualisiertes Lernen selbstverständlich. Auf der Basis der Bremer Oberschulverordnung setzen wir diese Erkenntnis in mehrfacher Hinsicht um: Möglichkeiten des individualisierten Lernens schaffen wir durch verschiedene Rahmenbedingungen, und zwar erstens durch Arbeitsplanarbeit. Ein Arbeitsplan ist ein wöchentlich von den Fachlehrpersonen zu erstellender Aufgabenpool aus den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Innerhalb des Arbeitsplans gibt es im Sinne eines inneren Leistungsdifferenzierungsangebots ein Grundprogramm, ein Erweiterungsprogramm und ein Wunschprogramm. Die SuS schätzen es, dass sie während der Arbeitsplanstunden selbst entscheiden können, welche Aufgaben sie wann und mit wem bearbeiten und wie viel Zeit sie dafür benötigen. Da diese Form des selbst gesteuerten Lernens besonders hohe Anforderungen an das Lernverhalten des Schülers stellt, sind hierfür bis Klasse 10 als Unterrichtszeit die ersten Stunden des Tages zu bevorzugen. Eine erweiterte Form des selbstständigen Lernens ist der Projektunterricht, der an einem Vormittag der Woche, z.Zt. dem Mittwochvormittag, stattfindet. Hier arbeiten die Schülerinnen und Schüler selbstständig über sechs bis acht Wochen an Langzeitthemen. Am Ende steht immer eine Präsentation. Mit den dargestellten geöffneten Unterrichtsformen geht auch eine neue Lehrer/innenrolle einher: Die Lehrperson tritt in den Hintergrund, sie schafft Lernsituationen, die den SuS selbstständiges Lernen auf vielfältige und anregende Weise ermöglichen. Dabei ermutigt und unterstützt die Lehrperson die Kinder immer wieder, neue Herausforderungen anzunehmen und sich eigene Ziele zu setzen. Neben dem gewünschten fachbezogenen Lernzuwachs durch das selbstständige Lernen findet während der oben beschriebenen selbstständigen Arbeitsformen auch jede Menge soziales Lernen statt: Denn SuS als Lernhelfer sind hier ausdrücklich erwünscht. Wechselseitige Anerkennung der Stärken und Schwächen, die Einschätzung der eigenen Möglichkeiten sowie der Respekt vor dem Anderssein der Mitschüler/innen werden auf diese Weise tagtäglich eingeübt.
Leistungsrückmeldung – Dialog und Reflexion
Das Herzstück einer inklusiven Schule ist die Leistungsrückmeldung. Eine inklusive Schule muss auf vielfältige Lernvoraussetzungen und damit auch unterschiedliche Lernergebnisse auch vielfältig reagieren. Dies tun wir durch unsere Formen der Leistungsrückmeldung. Um die Eigenverantwortung bzgl. des Lernens zu stärken, führen die SuS sog. Lernbegleithefte. Hier tragen sie z.B. ihre Wochenziele ein und reflektieren am Ende der Woche, ob und wie sie diese erreicht haben. Zu nennen sind weiterhin die an den Schüler/ die Schülerin gerichteten persönlichen Briefe zur Lernentwicklung am Ende eines Halb- und eines Schuljahres. Am Ende eines Schuljahres kommen differenzierte fachbezogene Kompetenzraster sowie ein Arbeits- und Entwicklungsportfolio hinzu. Zu den ausgegebenen Briefen und Kompetenzrastern nimmt jede/r Schüler/in in schriftlicher Form Stellung. Erst mit dieser Stellungnahme ist das Zeugnis vollständig. Bestandteil der skizzierten Form der dialogisch-reflexiven Leistungsrückmeldung ist das gemeinsame Gespräch zwischen Schülern, Eltern und Lehrpersonen. Diese finden viermal im Jahr statt. Auf diese Weise haben Eltern die Möglichkeit nachzufragen und die Inhalte der Briefe und Kompetenzraster im gemeinsamen Gespräch noch besser zu verstehen und nachzuvollziehen, um Vereinbarungen für die zukünftige Lernentwicklung zu entwickeln.
Das Kollegium der Neuen Oberschule Gröpelingen – genehmigt durch die Schulkonferenz am 12.11.2012